600 km | 6000 HM | 2er Team unsupported | 1. Platz

Als mich Peter vor zwei Monaten gefragt hat, ob ich noch einmal mit ihm beim RAN starten würde, habe ich schnell zugesagt und mir nicht viele Gedanken gemacht. Kenn ich eh schon, ist ja gut machbar. Wie sich herausgestellt hat: eine schwerwiegende Entscheidung.

Die Vorbereitung lief sehr gut, und ich freute mich schon auf das Event. Zwei Wochen vor dem Start konnte man langsam erahnen, dass das Wetter weniger angenehm werden würde als bei meinem ersten Start. Aber was interessiert mich schon der Wetterbericht zwei Wochen im Voraus?! Leider wurde die Vorhersage mit jedem Tag verheerender, und meine innere Unruhe stieg mit der prognostizierten Regenmenge im Gleichschritt. Ich organisierte weiteres Regenequipment und stellte mich mental schon auf 600 km Dauerregen und eisige Temperaturen ein.

Am Ende ist es dann genau so gekommen: 22 Stunden Dauerregen und eine Durchschnittstemperatur von 4 °C. Dazu 3 Stunden Standzeit für Verpflegung und Umziehen. Nur drei Unsupported-Teams sind ins Ziel gekommen. 50 bis 70 % DNF.

Danke, Peter, fürs Mitkämpfen und für die wertvolle Unterstützung in der Vorbereitungszeit. Vor allem aber danke für deine Ruhe und Stärke während des Rennens. Dass du dich über die gesamte Distanz nicht beschwert und nicht gejammert hast, war für mich extrem wertvoll. Es machte es auch mir leicht, die ganze Zeit voll motiviert und mit Spaß bei der Sache zu bleiben – und keine Sekunde ernsthaft mit dem Gedanken ans Aufgeben kämpfen zu müssen. Wenn man in so einer Situation jemanden an seiner Seite hat, der einfach weiterzieht, ruhig bleibt und mitkämpft, ist das unglaublich viel wert. Der innere Schweinehund ist in so einer Situation wahrscheinlich der größere Feind als das beschissene Wetter.

Windschattenfahren war aufgrund des vielen Wassers fast unmöglich. Und mit den zusätzlichen Regen- und Wechselklamotten war das Radl noch schwerer bepackt, als es unsupported ohnehin schon ist.

Schon am Start begleiteten uns die ersten Regentropfen, und bereits nach der ersten Stunde prasselte der Regen erbarmungslos auf uns ein. Zum Glück konnten wir in den ersten sieben Stunden bis 23 Uhr noch mit relativ wenig Regen und häufig trockener Straße vorwärtskommen und so bereits 190 km abhaken.

Der Schlaf ist diese Nacht im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Es hat einfach ohne Unterlass durchgeschüttet, mein Schädel hat gebrummt und die Beine haben pedaliert. Zum Glück hat es mich nie wirklich gefroren, trotz komplett nasser Handschuhe und Schuhe.

Längere Stopps in öffentlichen WCs nutzten wir nicht nur zum Wasserauffüllen, sondern vor allem, um ein wenig zu trocknen und uns aufzuwärmen. Völlig nass dauert alles ewig. Geduld ist gefragt, wenn man zu zweit fünf Minuten benötigt, nur um vier Handschuhe wieder anzuziehen und den Jackenärmel wieder über den Handschuh zu bringen.

Wieder draußen, den Elementen ausgesetzt, tut es gut, wenn man zwischendurch die Lichter der anderen Teilnehmer sieht und sich gegenseitig Mut und Anerkennung zuspricht. Man weiß, dass man nicht allein leiden muss.

Tatsächlich waren die Auffahrt und die Abfahrt am Semmering ein Geschenk. Straße und Kleidung konnten ein wenig trocknen, und für ein paar Minuten konnte man sogar die Sonne hinter den Wolken erahnen.

Ein Traum wurde in St. Aegyd bei Kilometer 445 wahr: die erste und einzige Möglichkeit für unsupported Fahrer, auf eine kleine Kiste mit vorher hinterlegten Sachen zuzugreifen und nicht mehr benötigte Dinge dort abzulegen. Wir konnten uns in einer warmen Gaststube mit Kachelofen umziehen und aufwärmen und wurden von freundlichen und hilfsbereiten Menschen mit Gepäck und Kaffee versorgt.

Zurück auf der Strecke warteten noch 4000 Höhenmeter.

Die lange Abfahrt vom Wastl am Wald hinunter nach Scheibbs war die Hölle und für mich der schlimmste Moment. Eisige Temperaturen, Fahrtwind und peitschender Regen zogen mir die letzten Wärmereserven aus dem Körper. Wir mussten einen weiteren Aufwärmstopp in einer Tankstelle einlegen.

Peter und ich zogen das Ding danach einfach nur noch gemeinsam durch und erreichten um 21:15 Uhr, wieder im Dunkeln, völlig entkräftet, aber gesund und glücklich, 28 Stunden nach dem Start das Ziel.

„DER SCHMERZ VERGEHT, DER STOLZ BLEIBT!“

Danke an das komplette RAN-Team für die gewaltige Organisation. Ihr seid spitze.

Danke für die unzähligen motivierenden Worte und das Daumendrücken.

Am Ende war es ein überwältigendes Erlebnis im positiven Sinn. Ich bin froh, dass ich mit Peter den besten Mitstreiter an meiner Seite gehabt habe, den man sich vorstellen kann. Die Erkenntnis, was der Körper in der Lage ist zu leisten macht mich sprachlos. Du gibst ihm Zucker in Form von Kohlenhydrate, die Beine kurbeln, der Schädel steuert und Wärme wird produziert. Einfach krass. Schätzen wir also die Wunder, die unser Körper täglich vollbringt jeden Tag aufs Neue!